Leben
12.02.2021
Zur einsamen Wattenspitze

Der TT-Tourentipp führt diesmal in die Tuxer Alpen. Während der Largoz gut besucht ist, zieht die dahinter liegende Wattenspitze samt neuem Kreuz weniger Tourengeher an.

Von Irene Rapp

Volders - Im Großraum Innsbruck erfüllt die Skitour auf den Largoz oberhalb von Volders viele Kriterien. Erstens: Sie ist relativ lawinensicher, da man lange im Wald unterwegs ist. Zweitens: Die Hänge oberhalb der Largozalm bieten bei Neuschnee zwar nur kurzen, aber traumhaften Abfahrtsgenuss. Drittens: Für Anfänger ist dieses Skitouren-Ziel ebenfalls bestens geeignet. Fazit: An manchen Tagen ist der Largoz - auch Glotzen genannt - ein gut besuchtes Ziel, auch von Schneeschuhwanderern.

Am vergangenen Samstag zog es uns aber nicht auf diese 2214 Meter hohe Erhebung in den Tuxer Alpen, die Traumausblicke auf das Inntal in Richtung Westen bzw. Osten bietet, sondern ein wenig weiter Richtung Süden.

Ziel war die Wattenspitze: Mit 2321 Metern nur unwesentlich höher, und von "Spitze" kann wirklich die Rede sein, denn dabei handelt es sich um einen markanten Felsaufbau, der für dramatische Bilder gut ist. Vielleicht war das auch der Grund, warum die Wattenspitze im Vorjahr ein Kreuz bekommen hat. Doch dazu später.

So kommt man hin: Nach Volders und von dort den Wegweisern Großvolderberg bzw. Krepperhütte folgen. Relativ weit geht es den Berg hinauf, auf rund 1360 Metern Höhe kann man dann hinter der Krepperhütte auf einem Parkplatz (kostenlos) sein Fahrzeug abstellen.

Zunächst geht es die Rodelbahn Richtung Osten entlang, bei der ersten Wegteilung hält man sich links, sprich geradeaus. Das Tolle an dieser Rodelbahn ist nämlich, dass sie einen getrennten Aufstiegsweg und eine getrennte Abfahrtsbahn hat. Auf dem Aufstiegsweg gehen wir also ein kurzes Stück dahin, bei einer weiteren Wegkreuzung heißt es dann Augen aufmachen.

Denn hier bleiben wir nicht mehr auf der Bahn, sondern ziehen rechter Hand auf einem schmalen Steig direkt in den Wald hinein (meistens gespurt). Nun den Baummarkierungen folgen und langsam ziehen wir den Berg hinauf, einige Male kreuzt man Forstwege. Wenn es lichter wird, hat man das Gebiet der Largozalm erreicht (1963 m). An die zehn Almgebäude, teilweise auch neue, befinden sich hier, der Ausblick auf das Inntal ist ein Traum. Grund genug, eine Trinkpause einzulegen und die Gegend zu genießen.

Weiter geht es dann hinter den Almgebäuden, man zieht rechts auf eine kleine Anhöhe, auf deren äußerstem Punkt sich ein Holzkreuz befindet. Ab hier geht es linker Hand auf einem breiten Rücken in südöstlicher Richtung weiter, das Kreuz des Largoz kann man bereits sehen. Schön licht ist es hier, einige Zirben trotzen Wind und Wetter, am Samstag war durch Saharastaub in der Luft die Szenerie zudem ein wenig rötlich gefärbt.

Während die Largoz-Geher sich dann links halten, halten sich die Wattenspitze-Geher geradeaus. In südöstlicher Richtung zieht man zunächst über weite freie Hänge. Langsam gewinnt man an Höhe und bewegt sich unterhalb des felsigen Kammes, in dem sich Largoz und Wattenspitze befinden, weiter. Die Landschaft wird abwechslungsreicher mit einigen Zirben und wenigen felsdurchsetzten Passagen. Einmal wird ein Hang ein wenig steiler. Im Süden beherrscht der spitzförmige Haneburger (2596 m) das Bild.

Interessantes über diese Gegend kann Gerald Aichner, Tiroler Landesvorsitzender des Alpenvereins, berichten. "Hier wurde vor 77 Jahren ein US-Bomberflugzeug abgeschossen, es gab neun Tote. Das Alublech des Wracks diente später zur Verkleidung des Gipfelkreuzes am Großen Bettelwurf im Karwendel."

Aichner kennt die Tuxer Alpen wie seine Westentasche, jetzt hat er auf 384 Seiten Wissenswertes zu dieser Gebirgsregion zusammengetragen (Buch-Titel: "Di TuXa", zu bestellen unter www. gerald-aichner.at).

Nach rund einer halben Stunde erreicht man dann den Nordkamm der Wattenspitze. Wenn man die wenigen Meter hinauf bis zum höchsten Punkt gezogen ist, kann man dann bereits ein schönes schmiedeeisernes Kreuz erkennen.

Sogar ein Gipfelbuch ist dabei und das verrät, dass das Kreuz auf der markanten Felsnase im Vorjahr "im Namen des Heeressportvereins Absam/Alpinismus" errichtet worden ist. Und da kann man darüber streiten, ob es noch neue Gipfelkreuze im Lande braucht - aber mir gefällts.

Zurück ging es dann bis zur Alm auf demselben Weg. Auf den weiten Hängen konnten wir noch ein wenig Pulver genießen, durch den Schneefall diese Woche wird das auch weiterhin möglich sein. Ab der Alm ging es auf dem Forstweg und bei der ersten Wegteilung links auf der Abfahrtsspur der Rodelbahn zurück zum Ausgangspunkt.

Fazit: Ob Skitourengeher, Rodler oder Schneeschuhwanderer - im Bereich der Largozalm findet jeder Wintersportler gute Bedingungen vor.